Fundsachen nach Brand
Brand gelöscht
Der Rauch hat sich verzogen, die Feuerwehr rollt ihre Schläuche ein. Menschen kamen keine zu Schaden. Der erste Schreck hat sich gelegt. Aber: Für die meisten Opfer eines Wohnhausbrandes fängt eine schlimme Erfahrung jetzt erst an: Wer seine Wohnung durch Brand oder Naturkatastrophen verliert, verliert damit auch einen Teil seiner Identität. Wo sind all die persönlichen Gegenstände geblieben? Nicht nur Urkunden, Zeugnisse und andere Dokumente werden bei einem Brand oft zerstört. Auch Erinnerungsfotos und alte Briefe, Kinderzeichnungen und schöne Reiseandenken gehen dabei verloren. Bücher sind verkohlt. Der Inhalt des Kleiderschranks ist unbrauchbar geworden, denn was nicht verbrannt ist, ist durch den Brandgeruch untragbar geworden. Selbst wer sich nicht besonders für Schuhe und Mode interessiert, wird in der Regel sehr unter diesem Verlust seiner persönlichen Garderobe leiden, die doch schließlich bei jedem Menschen Ausdruck seiner ganz individuellen Persönlichkeit ist. Es ist nicht unbedingt der materielle Wert, der bei der Wiederbeschaffung der Kleidung Schwierigkeiten macht. Schließlich sind die meisten Menschen gegen Brandschäden ausreichend versichert. Aber abgesehen davon, dass es gar nicht so einfach ist, sich eine komplette Garderobe wieder zusammenzustellen - man denke an all die vielen Einzelteile von der Socke bis zur Badehose - vermissen viele nach einem solchen Ereignis vor allem ihre ganz speziellen Lieblingsstücke.
Chaos herrscht
Selbst wenn nicht alle Sachen verbrannt sind: Wer jemals einen Brandort nach Abschluss der Löscharbeiten gesehen hat, weiß, dass hier letztlich nichts mehr an seinem Ort ist. Nicht nur das Feuer hat großen Schaden angerichtet, auch das Wasser, dass das Feuer gelöscht hat, hat verheerende Wirkung - und manchmal in noch größerem Maße als der Brand selbst. Glimmende Teile wurden von der Feuerwehr auseinander gezogen und auf breitem Raum verteilt. Häufig sind die Reste der Gebäude nach einem Brand einsturzgefährdet und dürfen nicht mehr betreten werden. Um die ehemaligen Gebäude herum herrscht oft ein unglaubliches Durcheinander: verkohlte Herrenschuhe baumeln an in die Luft ragenden Stuhlbeinen, Glasscherben stecken in den geschmolzenen Überbleibseln von Plastikeimern, herausgezogene Schubladen sind kopfüber in den Matsch gefallen, der Inhalt ist unkenntlich geworden. In den Tagen nach der Katastrophe fängt dann die mühselige Arbeit des Aufräumens an. Insbesondere bei Häusern, die von mehreren Parteien bewohnt wurden, ist es sehr schwer, alle Fundsachen ihren Besitzern zuzuordnen. Was jetzt auf dem Boden liegt, kann jedem der Hausbewohner gehört haben. Die Brandspuren haben das meiste unkenntlich gemacht und mit einer einheitlichen Rußschicht überzogen. Stück für Stück muss jetzt in die Hand genommen und identifiziert werden - und das meiste davon wird dann doch im Abfallcontainer landen.
Zeit verstreicht
Bis die letzten Gegenstände nach einem Großbrand geborgen werden können, vergehen manchmal Wochen, oft auch Monate. Bevor die Besitzer persönliche Dinge und Wertsachen aus ihrer ehemaligen Wohnung holen dürfen, muss gewährleistet sein, dass keine Einsturzgefahr besteht. Gegebenenfalls muss der Brandort erst mit Stützen und anderen Maßnahmen abgesichert werden. Wenn dann die endgültige Auflistung aller verlorenen Gegenstände fertig ist, dauert es immer noch sehr lange, bis zum Beispiel schon allein die wichtigsten Dokumente wieder beschafft sind. Eine neue Wohnung muss gefunden und möbliert werden. Sämtliche Gegenstände des täglichen Bedarfs müssen neu angeschafft werden - das betrifft nicht nur Kleidung und Wäsche, sondern unter anderem auch Küchengeräte und Essbesteck, Bücher, Unterhaltungselektronik und Sportartikel. Aber auch mit dem Ersatz des letzten fehlenden Paar Sneakers ist der Schaden für die von einem Brand geschädigten Menschen längst nicht behoben. Die psychischen Folgen dauern über Jahre. Für viele wird der Brand zum traumatischen Erlebnis, vor allem, wenn sie sich zur Zeit des Ausbruchs des Brandes in ihrer Wohnung befunden haben. Manche Menschen entwickeln zum Beispiel Zwangsneurosen: Sie müssen ständig alle Räume kontrollieren, glauben ständig, irgendwo Rauch zu riechen und wachen nachts sehr häufig auf.